weil ich gerade so darüber nachdachte:
Warum hat Apple unter all den Großkonzernen der Welt einen Freifahrtschein für all das, wofür andre, zurecht, geprügelt werden?
Apple lässt bei Foxconn in Shenzen produzieren, 2006 wurde bekannt, daß die Bedingungen dort menschenunwürdig sind. Apple beklagte die Situation beim Zulieferer, beließ die Produktion aber vollumfänglich dort und wies auf die Regeln für die Zulieferer hin. Der ließ angeblich sogleich Fangnetze zwischen den Gebäuden aufspannen, damit es nicht zu neuen Selbstmorden auf dem Werksgelände kommt. Problem gelöst? (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,794826,00.html)
Apple lässt auch bei Samsung in Korea produzieren. 2011 entbrennt ein wüster, weltweiter Patentkrieg zwischen den beiden Unternehmen, in dessen Zentrum vor allem sog. Designpatente, in Deutschland Geschmacksmuster, von Apple stehen. Kurz: Apple befürchtet, daß Konsumenten die Produkte von Samsung nicht mehr von den eigenen unterscheiden könnten. Eine direkte Kausalität wurde nie ausgesprochen, doch wie es aussieht, wird Apple die Produktion der nächsten CPU Generation von Samsung weg hin zum taiwanesischen Unternehmen TSMC verschieben (http://www.golem.de/1107/84990.html)
Es scheint, als sei die „Marke“ dem Unternehmen weit wertvoller als das „Gewissen“.
Gestern zitierte +Herr Breitenbach hierzu Bert Brecht, der sagte „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ (https://plus.google.com/101509481216311946430/posts/956J2VFVTVH)
Das gilt vermutlich so für Steve Jobs. Tim Cook aber ist der Architekt der Apple Supply Chain. Er dürfte sie kennen wie kein anderer, er war der Herr über die Einkaufspreise und – bedingungen. Wenn Jobs ein Täter war, weil er wusste und schwieg, so ist Cook ein Täter, weil er handelte.
Aber wir regen uns nicht auf. Bestenfalls weisen wir darauf hin, daß andere es ebenso tun. Dem ist vielleicht entgegenzusetzen, daß andere Hersteller nicht den gleichen polierten Markennimbus der Perfektion pflegen. Je heller mein Mantel leuchtet, desto mehr stört der schmierige Fleck.
Zeitgleich verbeißen sich die Anwälte des Kultunternehmens in ein kleines Café in Köln, wieder wegen einer Geschmacksmustersache. Man befürchtet, die Wort-Bild-Marke des Café „Apfelkind“ würde seinerseits die Marke des Apfels verwässern. Was lese ich im Netz? Friedensaufrufe! (https://plus.google.com/111871004034101153316/posts/j3bQzR6Ce2M)
Lest nochmal was oben über Foxconn, Samsung und TSMC steht. Ein Unternehmen wie Apple ist an Frieden nur dann interessiert, wenn dieser Profit verspricht.
Warum lese ich keinen Aufruf, einfach mal dafür zu sorgen, daß alle Apple Stores in Deutschland einen Tag lang leer bleiben?
Unmöglich? Ich denke nicht! Die Web2.0 Horde, die wir hier auf g+ und Twitter treffen dürfte alleine schon 30% der Besucher ausmachen. Den Rest könnte man gezielt informieren.
Einen Tag ohne einen einzigen Kunden im Apple Store, das wäre eine Schlagzeile für die Tagesschau und für Apple ein Grund, darüber nachzudenken, wie ähnlich sich das Logo vom Apfelkind und das eigene wirklich sind.
Aber nein. Es scheint, daß Apple in der Geek Community einen Status der Unfehlbarkeit hat. Es gibt vermutlich mehr Katholiken, die den Papst kritisieren als Apple Fans, die sich öffentlich gegen das Verhalten des Unternehmens stellen. Traurig, denn Unternehmen lernen ausschließlich durch Konsumentzug.






