Sehr geehrter Herr zu Guttenberg,
ich zähle nicht zu den Menschen, die sich der Fäkalsprache bedienen, allerdings musste ich doch sehr an mich halten, als ich Ihre Rücktrittsrede las.
Es ist Ihnen gelungen, auf der Skala meiner Verachtung eine neue Sprosse zu definieren.
Die meisten Menschen lernen irgendwo zwischen Kindergarten und Abitur, was es heißt, Verantwortung zu tragen.
Es heißt, manchmal halt auch ganz alleine für seine Fehler einstehen zu müssen.
Es heißt, daß es manchmal keinen anderen Schuldigen gibt als mich selbst.
Dies zu lernen braucht Zeit, es gehört zur Persönlichkeits- und Charakterbildung. Im Sandkasten kann man es häufig beobachten: es kommt zum Streit, weil A dem B das Schäufelchen weggenommen hat. Tränen fließen, die Erzieherin schreitet ein, irgendwann sagt A “es tut mir leid”, nur um dann gleich laut rauszukrakeelen “ABER ER HAT MIR VORHER….”
Das genau ist, was Sie heute getan haben. Sie versuchen für sich eine Opferrolle zu reklamieren. Guttenberg, Sie sind vielleicht das Opfer Ihrer ehrgeizigen Familie, die Sie viel zu früh auf eine staatstragende Rolle vorbereiten wollte. Vielleicht sind Sie auch das Opfer Ihrer grandiosen Selbstüberschätzung, aber im vorliegenden Fall sind sie zuallererst einmal Täter. Sie, und niemand anderes, haben eine Dissertation abgegeben, von der Sie urkundlich behaupten, daß Sie sie selbst verfasst haben. Was offenbar nicht der Wahrheit entsprach.
Wäre es Ihr Wunsch und Wille gewesen, für Ihre Handlungen Verantwortung zu übernehmen, dann hätte Ihre Rede mit den Worten “ich trete von meinen politischen Ämtern zurück” enden können. Vielleicht noch einen Dank an die Ministerialbeamten und die Kanzlerin, aber nicht das, was danach kam.
Auf den Teil mit der Fürsorge für die Soldaten, die Pflicht den Gefallenen gegenüber will ich mit Rücksicht auf meine Sprache nicht eingehen, ich könnte vielleicht nicht mehr an mich halten.
Ich hoffe, wenn wir uns irgendwann mal auf der Straße treffen sollten, wechseln Sie vor Scham die Straßenseite.
Sie dürfen sich entfernen.



ja. genau das waren meine gedanken am mittag. ich habe es nur nicht so schön schriftlich auf den punkt gebracht. der mann stellt sich nun dar als opfer der medien, will sich bestmöglich im selbstmitleid suhlen – und ist doch nur opfer seiner eigenen dummheit. verantwortung übernehmen geht anders.
PJ, merci bien.
[...] Sehr geehrter Herr zu Guttenberg, ich zähle nicht zu den Menschen, die sich der Fäkalsprache bedienen, allerdings musste ich doch sehr an mich halten, als ich Ihre Rücktrittsrede las. Es ist Ihnen gelungen, auf der Skala meiner Verachtung eine neue Sprosse zu definieren. Die meisten Menschen lernen irgendwo zwischen Kindergarten und Abitur, was es heißt, Verantwortung zu tragen. Es heißt, manchmal halt auch ganz alleine für seine Fehler einstehen … Read More [...]
[...] und Tweets geschrieben wurde. (Meine persönlichen Favoriten zu dem Thema findet Ihr bei Peter, claraswunderwelt, Sprachrhythmus und vom haekelschwein) Es gibt aber einen Aspekt, der mir [...]
Das ist ganz wunderbar passend formuliert.
Danke