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not competitive

Heute wollte mich @yewa zum Wettlesen eines Buches auffordern, was ich, wie es meine Art ist, natürlich von vornherein abgelehnt habe.
Wettbewerbe sind nichts für mich.
Aber in der Folge dachte ich darüber nach, inwiefern und seit wann das so ist.
Das Inwiefern ist schnell erklärt: in Wettbewerben oder Spielen setze ich häufig alles daran, schnell und sehr auffälig zu verlieren, eigentlich ohne Ansehen meiner wirklichen Chancen. Ich will, wenn ich zum Wettbewerb aufgefordert werde dem Gegner offenbar die Freude am Sieg nehmen. Gegen jemanden zu gewinnen, der alles gibt, um sehr offensichtlich zu verlieren ist keine Kunst und kein hoher Wert.
Die erste Situation, an die ich mich erinnern kann war im Grundschulalter. Meine Mutter war der Meinung, Bewegung täte mir gut und ich solle daher Tischtennis spielen (im Judo war ich vorher schon durch meine gering ausgeprägte Bewegungsintelligenz gescheitert). Tischtennis also. Ich mag den Sport, auch heute noch. Aber kaum war ich dem Verein beigetreten (wie gesagt, ein Knirps von vielleicht acht Jahren) hieß es „jetzt ist Vereinsmeisterschaft“. Nein, das mochte ich nicht, ich war ja gerade erst ein oder zwei mal da gewesen. Aber der Verein blieb hart, wer im Verein ist, der muss bei den Meisterschaften mitspielen. Gesagt getan, ich spielte so schlecht ich irgendwie konnte und zeigte meine Demotivation so gut es ging, schied erwartungsgemäß als allererster aus, ging heim und erklärte, dass ich da nicht mehr hingehen würde. Irgendwo gab es diesen leisen Gedanken „die werden schon sehen, was sie gemacht haben und sich entschuldigen“. Taten sie nicht.
Na gut, ich hab den Verein nie vermisst und mir ging’s auch so ganz gut.
In der Schule hatte ich drei echte Hassfächer: Musik, Kunst und Sport. Ich glaube, in dieser Reihenfolge mit aufsteigender Abneigung, wobei Kunst und Sport mehrfach die Plätze tauschten und Musik hie und da mit lichten Momenten glänzte, wenn ich nicht gerade Blockflöte spielte. Der Sportunterricht gipfelte dann damit, dass ich irgendwann mit zwei, drei anderen Klassenkameraden am Mittelkreis Picknick machte, während der Rest der Klasse um uns herum Fussball spielte.
Später bei der Bundeswehr gab es die sogenannte Physical Fitness, ein sportlicher Test, dem wir uns zu Beginn und am Ende der Grundausbildung unterziehen mussten, um zu messen, wie sehr sich eben unsere Fitness während dieser drei Monate verbessert hatten. Obwohl ich zu dieser Zeit bereits relativ viel und garnicht so schlecht lief, legte ich großen Wert darauf, dass meine „Verbesserung“ negativ ist, ich im zweiten Test also bewusst weniger leistete als beim Eingangstest. Ihr habt mich zwar dazu gebracht, Euren Quatsch hier mitzumachen, aber Ihr sollt keinen Erfolg daran sehen.
Nun bin ich grundsätzlich kein Mensch, der auf andere sieht und sich über- oder unterlegen fühlt. Das ganze Thema „sich vergleichen“ ist mir herzlich fremd. Intellektuell ist der Vergleich ja sowieso häufiger ein Zusammenlegen der Fähigkeiten, hier ist ein „Schlagabtausch“ ja meist für beide Seiten bereichernd.
Es gibt auch Spiele, bei denen es mir völlig egal ist, ob ich gewinne oder verliere, solange ich an meinem eigenen Maß gemessen zufrieden bin. Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang recht passabel Billard gespielt. Nie besser als die um mich, aber doch so, dass ich für mich selbst sagen konnte: das passt so. Ich habe in der Zeit gegen Spieler gespielt, die mir haushoch überlegen waren, entsprechend habe ich verloren und war dennoch zufrieden, weil ich für meine Verhältnisse gut gespielt und vielleicht sogar etwas dazugelernt habe.
Mit dem Laufen ist es ähnlich: ich kann und will das nur für mich machen. Es gibt Tage, da bin ich sehr zufrieden, es gibt Tage da bin ich völlig unzufrieden, aber es geht immer nur darum, wie ich mich mit mir selbst fühle.
Auch beim Motorradfahren oder Segelfliegen versuche ich, immer besser zu werden, aber nicht im Wettbewerb mit anderen, sondern nur bezogen auf mich selbst. Wettbewerb demotiviert mich, ich weiche ihm aus, vielleicht aus Furcht, doch nicht so gut zu sein, wie ich immer glaube.
Eine der grässlichsten Entwicklungen sind Sport- oder sonstige „Lebensoptimierungs“-Apps, die versuchen, mich zu diesem oder jenem gewünschten Verhalten zu motivieren. Eine der ersten, die ich versucht hatte war „Noom“, ursprünglich den Sport Tracker der später in der Noom App untergegangen ist, später dann die ganze App mit der Ernährungskomponente. Jedesmal, dass ich irgendeinen Wert eingegeben hatte bekam ich dafür einen tollen, motivierenden Kommentar „Du machst das toll!“, „weiter so!“, „klasse!“. Ich hätte das Drecksding in’s Eck werfen können. Ganz aus war es mit Noom dann, als der „community“ Zwang eingeführt wurde, und man die App nicht mehr anonym nutzen konnte. Das letzte, was ich wollte ist irgendwer, hier oder sonstwo, der mich auffordert, dies zu tun oder jenes zu lassen.
Heute laufe ich wieder mehr und es tut mir gut. Ich nutze Runkeeper, das will mir zwar auch dauernd erklären mit einem Buddy ginge es viel besser, aber immerhin gibt es keinen Zwang dazu, und solange ich meine Strecke nicht verlängere und nicht schneller laufe, bleiben auch die dämlichen Krönchen für einen „neuen Rekord“ aus. Angenehm.
Irgendwie macht es mir ja schon Sorgen, irgendwas muss doch hinter dieser kompletten Verweigerung jeden Wettbewerbs stehen, schließlich spornt das die meisten Menschen doch an? Vielleicht ist es die Angst, doch nur ganz normal zu sein. Möglich.
Aber was soll’s. Ich fühle mich sauwohl und wäre in einem Wettbewerb im glücklich und zufrieden sein sicher ziemlich weit vorn. Vielleicht ist genau das der Trick: wer nicht dauernd nach höher, weiter, schneller strebt hat’s leichter.

Kleinigkeiten

27841675044_1cdcaf9f5b_cder Physiker sagt uns:
Wir sehen nur einen winzigen Teil dessen, was ist.

der Psychologe sagt uns:
Wir erkennen nur einen winzigen Teil dessen, was wir sehen.

der Philosoph sagt uns:
Wir verstehen nur einen winzigen Teil dessen, was wir erkennen.

Und doch ist für uns dieser winzigen Teil eines winzigen Splitters eines winzigen Ausschnitts der Realität das Universum.

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Wer morgens früh durch die Welt streift kann ihr beim Aufwachen zusehen
Sie hat geträumt, sich mit Nebelschwaden zugedeckt.
Wie die Sonne über den Horizont steigt
Regt sie sich und blinzelt
Der Tag, voller Lärm.
Die Nacht,
Ruhe

der Gottesbezug

heute las ich zufällig diesen Artikel auf HL-Live.de und konnte mich eines Kommentars hierzu nicht enthalten:

http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=94594

(Aufgrund des Urheberschutzes hier nicht als Zitat sondern nur als Link).

Meine Antwort per e-Mail an Herrn Rußmann war folgende:

Sehr geehrter Herr Rußmann,
zufällig habe ich eben Ihren Artikel zum Gottesbezug gelesen, der uns in der Schleswig-Holstein’schen Verfassung dankenswerterweise erspart bleibt.
Daß Sie, quasi von Amts wegen, dies anders sehen ist Ihr gutes Recht, so wie sich ein Sportlehrer auch wünschen mag, daß der Sport Verfassungsziel sei.
Daß Sie aber mir eine ethische Grundlage absprechen finde ich erschütternd.
Warum empfinde ich dies so?
Ich bin, wie wir alle, als Atheist geboren, anders als Sie aber bin ich niemals zum Christen konvertiert worden. Mir blieb die Angst vor Hölle und Strafe erspart.
Die Basis meiner Moral kennt nicht die Drohung mit ewiger Verdammnis, mit Feuer und Qual.
Macht das mich zu einem amoralischen Menschen?
Wenn dies Ihr Denken prägt, und Sie schreiben ja “ Jetzt gibt es unter uns Mitbürger, die sogar ganz vergessen, dass sie Gott vergessen haben. Wer weiß, wie sie ihr Gewissen begründen?“, wenn dies also Ihr Denken prägt, dann empfinde ich das als erschütternd und traurig.
Auch Theologen müssen, soweit mir bekannt ist, in Deutschland studieren, damit müssen auch Theologen ein Abitur ablegen. Ich vermute, Sie haben Ihres sogar an einem altphilologischen Gymnasium abgelegt.
Die Tatsache, daß unsere Vorstellung von Moral und Ethos den griechischen Philosophen geschuldet ist, dann über Jahrhunderte in dumpfer Gottesdünkelei verschüttet wurde und sich erst in der Aufklärung gerade gegen die Religion hat durchsetzen können ist Ihnen sicher bewusst. Ich frage mich daher: wie können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, öffentlich zu behaupten, es sei die Religion, die uns zu moralischen Wesen gemacht habe?
Sicher, in der Bibel, und gerade im neuen Testament, steht so manches, das erbaulich, tröstlich und manchmal sogar moralisch ist. Es ist allerdings eingebettet in einen Sumpf von Dingen, die unserer humanistischen Moral heute in unfassbarem Maße widersprechen. Wie viele Menschen meines Alters (geboren 1968) habe ich in meiner Kindheit keine Wahl gehabt und musste konfessionellen Religionsunterricht besuchen. In der Grundschulzeit gab es noch nicht einmal die Wahl zwischen katholischem und evangelischem Unterricht, es gab einen katholischen Pfarrer und der erzählte uns Geschichten von Licht und solche voller Grauen.
Eine der Geschichten, die mir die Moral des alten Testaments bis heute vor Augen halten ist die von Abraham und seinem Sohn Isaak. Ich muss Sie Ihnen sicher nicht erzählen.
Und als sie kamen an die Stätte, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham daselbst einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holzund reckte seine Hand aus und faßte das Messer, daß er seinen Sohn schlachtete.
Dieser Satz fasst alles Grauen der abrahamischen Religionen in sich: ein Vater ist bereit, auf Geheiß eines imaginären Wesens, selbst seinen Sohn zu töten.
So geschieht es heute im Nahmen Allahs im nahen Osten. Dies, lieber Herr Rußmann, ist die Ethik, die Sie hier vertreten, dies, auch dies ist Ihr Gott. Er ist, wie es Richard Dawkins schrieb “ … sicherlich der unerfreulichste Charakter in der gesamten fiktionalen Literatur. Er ist eifersüchtig und stolz darauf, ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontrollfreak, ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer, ein homophober, rassistischer Frauenhasser, ein Kindermörder, Völkermörder…“ Dawkins findet noch mehr Worte, für deren Zutreffen auf Jahve im alten Testament Textbelege zu finden und die Ihnen sicher bekannt sind.
Herr Rußmann, Sie werfen mir vor, keine Basis für meine Ethik zu haben und berufen sich dabei auf diesen Gott?
Schön finde ich in Ihrem Artikel, daß Sie implizit Nietzsche zitieren, als Sie den erfreulichen Wandel des Rechtes von „Vergeltung“ hin zu „Resozialisierung und Besserung“ beschreiben. Genau dies hat er in jenseits von Gut und Böse als eine der großen Errungenschaften einer aufgeklärten Gesellschaft beschrieben. Das Christentum ist jedoch, wie Sie im Abschnitt zuvor schrieben, noch immer eine Denkschule, die in eben diesen alten Kategorien „Gut und Böse“ verhaftet ist.
Religion hat keine Moral. Religion ist leider stets ein Ausgrenzen Andersdenkender und leider sind auch Sie davon nicht frei. Wie sonst soll ich die Warnung vor dem Muezzin auf der St. Petri Kirche deuten? Sie schüren die Angst vor Anderen – vor der Anderen Religion, die doch der Ihren so ähnlich ist. Der Islam ist nur 400 Jahre jünger und so vital, wie Sie es sich für das Christentum vielleicht wünschen. Denken Sie bitte einmal darüber nach, wie das Christentum vor 400 Jahren herrschte, der Unterschied zwischen dem Iran und so manchem katholischen Land um 1600 dürfte so groß nicht sein.
Nein Herr Rußmann, die einzige Antwort auf die Fragen unserer Zeit ist Religions freiheit. Damit meine ich Ihr Recht, Ihre Religion auszuüben, solange Sie mein Recht tolerieren, frei von Religion zu sein. Frei von Religion sein heißt auch, daß unsere Gesetze frei von Gottesbezug und – viel wichtiger – religiösen Regeln und religiöser Moral bleiben. Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem die Kirchen immer noch tief mit dem Staat verwoben sind und langsam, ganz langsam trennen wir diese Verstrickungen. Damit es ein Land für alle wird, damit es ein gerechtes Land wird in dem Menschen gelten, ohne Ansehen von Rasse, Geschlecht und Überzeugung.
Dies ist meine Maxime, und ich wünschte mir, daß sie allgemeines Gesetz werden würde.
mit freundlichen Grüßen,
Peter Jakobs
Auf eine Antwort bin ich gespannt.

jenseits von Rot

HolstentorVor etwa einem Jahr habe ich meine funktionsfähige, mittlerweile aber technisch etwas in die Jahre gekommene EOS40D bei DSR Astro TEC auf den nahen Infrarotbereich umrüsten lassen. Dabei wurde das Filterpaket vor dem Sensor so modifiziert, daß dort nun statt dem IR-Sperrfilter ein IR-Passfilter seinen Platz gefunden hat. Der Effekt: Im sichtbaren Licht erscheint der Sensor jetzt schwarz, passieren kann das Filterpaket nur noch Licht im nahen Infrarot-Bereich.

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fig1: Rotes Rohbild

Das Ergebnis: da der Bayer Filter (also der RGB-Farbfilter) der Kamera weiterhin vor dem Sensor ist, wird das Licht nun zwei mal gefiltert, einmal für reines Infrarot und dann nochmal nach rot, grün und blau. Es liegt nahe, daß die „roten“ Pixel den größten Teil des Lichtes sehen, das Roh-Bild ist also überwiegend rot, wie in Bild 1.

Je nach Motiv und Lichtsituation kann diese Farbe sogar noch deutlich knalliger bis hin zum Orange ausfallen und hat damit sicherlich nicht die Optik, die man von einem Infrarot Foto erwartet. Die Ursache dafür ist relativ klar: hinter dem IR-Passfilter „sieht“ die Kamera primär ein monochromes Bild mit geringen Spektralanteilen unterhalb der Sperrfrequenz des Filters. Je intensive das Licht, desto mehr registrieren auch die grünen und blauen Pixel, rot aber bleibt dominant. Das Bild hat also einen starken Rotstich oder anders ausgedrückt: die Farbtemperatur ist extrem niedrig.

Bild 2: Farbtemperatur korrigiert mit Adobe PNG Profile Editor

Bild 2: Farbtemperatur korrigiert mit Adobe PNG Profile Editor

Bild 3: IR Foto mit korrigierter Farbtemperatur

Bild 3: IR Foto mit korrigierter Farbtemperatur

Adobe Lightroom kann leider nur mit Farbtemperaturen zwischen 2000K und 50000K umgehen, was für die normale Tageslichtfotografie vollkommen ausreichend ist, nicht aber für die Infrarotfotografie. Nach einiger Recherche habe ich diesen Blogeintrag gefunden, in dem der Autor zeigt, wie man anhand eines Infrarotbildes ein Adobe Kamera Profil für Lightroom erstellt, daß das Bild in einen korrigierbaren Farbtemperaturbereich bringt. Dieses Profil „sagt“ Lightroom quasi, daß der Weißpunkt der Kamera von Vornherein verschoben ist (was ja im Fall von IR Kameras tatsächlich stimmt), Lightroom korrigiert dies bevor das Bild im Bearbeiten Modus dargestellt werden kann und der Farbtemperatur Regler arbeitet nun auf Basis dieser bereits korrigierten Farbtemperatur. Das Ergebnis ist in Bild 2 zu sehen. In diesem speziellen Fall noch nicht wirklich spannend, da keinerlei Vegetation auf dem Foto ist und gerade der Effekt der schneeweißen Pflanzen ja häufig den besonderen Reiz der IR Fotografie ausmacht. Besser zeigt dies das gleich bearbeitete Bild 3, wo schon eine farbliche Trennung von Himmel (bräunlich) und Pflanzen (bläulich) zu erkennen ist.

Klassische Infrarotfotografie mit Infrarotfilmen führt, wenn es sich um Farbfilme handelt, typischerweise zu Falschfarbenbildern. Während die Farbtemperaturskala ja rot mit niedrigen Farbtemperaturen und blau mit sehr hohen Farbtemperaturen bezeichnet (entsprechend der thermischen Strahlung eines „schwarzen Strahlers“), assoziieren wir Menschen normalerweise blau mit kalt und rot mit warm. Der Himmel reflektiert nur sehr wenig Infrarotlicht, tatsächlich wird der Himmel, zumindst an klaren Tagen, ja von blauem Licht dominiert. Gebäude, gestein etc. reflektiert infrarot in den allermeisten Fällen etwa genauso wie sichtbares Licht Pflanzen allerdings, bzw. das in ihnen enthaltene Chlorophyll, reflektiert Infrarotlich fast vollständig. Deshalb erscheinen Pflanzen im Infrarotfoto weiß. Weil aber die RGB Filter das tatsächlich einfallende Licht nochmal nach den Farbkomponenten des sichtbaren Lichtes filtern, geschieht das, was ich weiter oben beschrieb: je stärker das Licht, das von einem Objekt reflektiert wird, desto stärker werden die einzelnen Farbkanäle des Sensors belichtet. Rot immer am stärksten, grün sehr wenig (es ist die komplementärfarbe von rot) und blau ein bißchen. Objekte also, die sehr viel Infrarotlicht reflektieren haben einen sichtbaren Blauanteil während dieser dort fehlt, wo nur relativ wenig reflektiert wird. Das Ergebnis ist, daß mit dieser Methode „kühle“ Objekte rot und „warme“ Objekte blau erscheinen.

Bild 4: Farbkanäle in Photoshop getauscht

Bild 4: Farbkanäle in Photoshop getauscht

Um nun die Charakteristik des Infrarot-Farbfilms zu immitieren kann man ein solches Foto in Photoshop bearbeiten und hier mit dem Kanalmixer die Rot- und Blau Kanäle vertauschen. Dies habe ich manchmal getan, allerdings war das Ergebnis nicht immer überzeugend, da die Farbseparation von Vornherein nicht hinreichend war. Es geht sicher besser als in Bild 4, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis.

Auf der Suche nach einer besseren Lösung, nach einem besseren Weg, die Ästhetik klassischer IR Fotografie nachzubilden bin ich nun gestern auf diesen Blog gestoßen. James Richter beschreibt hier, wie man Phil Harveys Schweizer Taschenmesser der Fotografie, „Exiftool“ verwenden kann, um die Farbkanäle rot und blau schon vor der Bearbeitung durch Lightroom zu tauschen.

Diese Methode ist in Meinen Augen an Eleganz kaum zu übertreffen.

Bayer Pattern

Bayer Pattern

Hier das Prinzip: die Kamera „weiß“ ja nicht, daß sie im Infrarotlicht fotografiert und wird Rot-, Grün- und Blauwerte für jeden Pixel messen. Damit sie das kann liegt vor dem Sensor der Bayer Filter, der, normalerweise, für ein Quadrat von vier Pixeln jeweils einen roten, einen blauen und zwei grüne Werte ermittelt. Diese Einzelwerte werden in das Rohdatenformat der Kamera geschrieben und später z.B. von Lightroom ausgewertet. Dazu kennt Lightroom den genauen Grünton des Grünfilters, den Rotton des Rotfilters und den Blauton des Blaufilters und kann das Bild wieder zusammensetzen. Was Lightroom zusätzlich wissen muss ist, welche Werte in der Bilddatei sich auf welchen der drei Farbkanäle bezieht, und genau hier setzt diese Methode an. Eine recht gute Beschreibung findet sich hier.

Während das proprietäre RAW-Format (also z.B. CR2 oder NEF) der Kameras festgelegt und wenig veränderbar ist, hat Adobe mit DNG ein RAW Format ein flexibles, offenes Format geschaffen. Eine DNG Datei beschreibt selbst das Format der Daten, die sie liefert, und diesen Umstand können wir uns zu Nutzen machen. In welcher Reihenfolge die einzelnen Farbfilter auf dem Sensor angeordnet sind, beschreibt das DNG Format im sogenannten „CFA Pattern“ (CFA steht für Color Filter Array). Eine 0 steht dabei für rot, eine 1 für grün und eine 2 für blau. Die 2×2 Zellen können damit vier durch unterschiedliche Kombinationen dargestellt werden:

BGGR

B-G-G-R 2-1-1-0

RGGB

R-G-G-B 0-1-1-2

GRBG

G-R-B-G 1-0-2-1

GBRG

G-B-R-G 1-2-0-1

Die Ausrichtung des Bayer Patterns lässt sich mittels exiftool aus dem DNG Format auslesen:

exiftool -cfapattern* -g1 _MG_6610.dng
g1 _MG_6610.dng
---- SubIFD ----
CFA Pattern 2                   : 0 1 1 2
---- Composite ----
CFA Pattern                     : [Red,Green][Green,Blue]

Meine 40D legt also die RGB Daten als R-G-G-B ab, oder numerisch als 0-1-1-2. Anhand des In der DNG Datei hinterlegten CFA Pattern weiß Lightroom nun also, welche Werte welchen Farben zuzuordnen sind. Wenn es nun möglich wäre, einfach diesen Eintrag in der Datei zu ändern, würde Lightroom davon ausgehen, daß die Kamera ein anderes Filterpattern verwendet und die Werte entsprechend anders interpretieren, ohne, daß sich irgend etwas anderes in der Datei ändren müsste. Der Trick wäre also, in obigem CFA Pattern 2 die 0 und die 2 zu vertauschen, also zu behaupten, daß der Sensor die Farbfolge blau-grün-grün-rot verwendet. Glücklicherweise kann exiftool diese Einträge nicht nur lesen, sondern auch beschreiben.

exiftool.exe -SubIFD:CFAPattern2="2 1 1 0"

Ändert den CFAPattern2 Eintrag von „0 1 1 2“ auf „2 1 1 0“. Fertig.

Damit das Ganze möglichst einfach wird, schlägt James Richter vor, diesem Befehl unter Windows ein Desktop-Icon zuzuweisen, daß als Drop-Target fungiert. Die Befehlszeile in meinem Fall lautet

"C:\Program Files (x86)\exiftool\exiftool.exe" -SubIFD:CFAPattern2="2 1 1 0" "-filename=%f-CS.%e" -k

Damit ändert exiftool den entsprechenden Parameter und schreibt damit eine neue Datei mit der zusätzlichen Kennung -CS für ChannelSwap. Fast fertig.

Ein bißchen Aufwand muss man nun im Postproduction-Prozess doch noch treiben. Für mich sieht das nun so aus.

  1. Fotos als DNG in Lightroom importieren (im Importdialog die Option „als DNG kopieren“ anwählen).
  2. Den Importordner öffnen und die importierten DNG Dateien auf das exiftool Drop-Target ziehen. Ein CMD-Fenster geht auf und nach einiger Zeit erscheint dort die Meldung, daß exiftool eine Anzahl Bilder bearbeitet hat.
  3. In Lightroom den Ordner neu synchronisieren (rechter Mausklick auf den Ordner in der Ordnerstruktur -> Ordner Synchronisieren).
  4. Die Bilder, die jetzt im Lightroom Katalog sind haben jetzt erstmal die typischen orangeroten Vorschaubilder, daher müssen nun alle Vorschauen neu erstellt werden. Danach sind leider immer noch nicht alle Vorschauen in allen Ansichten korrekt. Mir ist nicht klar, ob es sich hier um einen Bug in Lightroom 5.5 handelt, oder ob ich etwas übersehen habe.
    Hier die Schritte:

    1. Alle Bilder auswählen
    2. Metadaten->DNG Vorschauen und Metadaten aktualisieren
    3. Bibliothek->Vorschauen->1zu1 Vorschauen aktualisieren
    4. ggf. Bibliothek->Vorschauen->Smart Vorschauen aktualisieren
  5. Jetzt lassen sich die Fotos wie ganz normale RAW Bilder bearbeiten.

Ich denke, das Ergebnis dieser Methode kommt sehr nah an klassische Falschfarb-Infrarot-Fotografie heran und die Optik gefällt mir deutlich besser als bei allen bisherigen Methoden. Zudem ist sie vergleichsweise einfach andzuwenden und braucht kein Photoshop. Alle Bearbeitungsschritte sind zudem zerstörungsfrei!

Hier noch einige Beispiele, die gestern in Lübeck und am Ratzeburger See entstanden sind:

Lübeck

Lübeck

Lübeck

Lübeck

Rothenhusen

Rothenhusen

A bunch of filters

the black and white mixer is one of the most powerful features of Lightroom and has been around since the first version (in fact, you could say it has been around much longer, as the channel mixer adjustment layer in Photoshop).

One way to use them is to go in and feel your way around what looks best by moving the sliders or even by clicking that little round round target in the left corner of the mixer panel and then point on a color in your image and drag the mouse up or down, holding the left mouse key pressed down, which will lighten or darken this specific color range. A very powerful feature to quickly create those dark skies with bright white clouds that we know from Ansel Adams‘ timeless images (truth be told, he did much more than just use a red filter, but that’s a good starting point for this look).

The downside of this method is that you sometimes end up with ugly banding or very high edge contrast when two adjacent colors are set to very different filter levels. Weiterlesen »

101 Piraten

da haben sich doch glatt 101 Piraten zu ihrer Position zum Urheberrecht geäußert:
101 Piraten für ein neues Urheberrecht

Ich stelle erschreckt fest: was bisher nur Vermutung war ist Realität!

  1. Piraten denken bei „Urheberrecht“ tatsächlich überwiegend an den Musikmarkt
  2. Piraten fordern eine staatliche Regulierung dieses Marktes durch Einschränkung der Handelskette
  3. Piraten fordern (wenn auch vereinzelt) die zwangsweise Verfügbarkeit von Werken für Derivate

 

Rein rhetorisch folgen eine Vielzahl der Statements dem Format
„ich bin für ein Urheberrecht aber aus diesem und jenem Grund, der mir sehr wichtig ist, bin ich dann doch dafür, daß mein vorne stehendes ‚ich bin für‘ aufgeweicht werden sollte“.

In meinen Ohren klingen solche Sätze wenig ehrlich.

Ich bin mir nicht sicher, ob es einfach meine persönliche Bestätigungstendenz ist, die mir hier einen Streich spielt, aber mir scheint wirklich, daß die Position der Piraten zum Urheberrecht weiterhin nah an einem kommunistischen Enteignungsprogramm liegt und zudem durch eine sehr schmale Öffnung auf die Welt blickt. Ich wünschte mir, das Thema könnte so diskutiert werden, daß die Ablehnung der Geschäftspraktiken der Major Labels keine Hauptrolle in der Argumentation spielte. Das gleichsam wie ein Mantra ewig wiederholte Argument vom gescheiterten Geschäftsmodell der Majors, das eine Anpassung des UrhG nötig machen würde scheint mir unsinnig, denn es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, die ein alternatives Modell unter cc-by-(nc)-sa in irgendeiner Weise benachteiligen würden. Nebenbei verdienen die Majors, trotz allen Jammerns, immer noch sehr gut.

Wenn ich mir etliche der 101 Thesen ansehe, dann kommt für mich dabei folgender Kern heraus:

Wir wollen Künstler unterstützen, aber wir wollen dies direkt tun, ohne den Umweg über ein Label oder eine Verwertungsgesellschaft.

Das ist sicher ein schönes Ziel und die Idee beinhaltet für viele Künstler tatsächlich eine Chance, aber eines wird dabei offenbar übersehen:

Nicht jeder Künstler ist auch gleichzeitig ein guter Verkäufer!

Tatsächlich dürfte häufiger das Gegenteil der Fall sein. Künstler sind in den seltensten Fällen gute Verkäufer. Die meisten sind froh, wenn andere ihnen die Diskussion über den (Verkaufs)Wert ihres Werkes abnehmen und dafür die Werbetrommel rühren. Will man diese Menschen in die Direktvermarktung zwingen? Ein seltsamer Gedanke!

Der andere zentrale Bestandteil, den ich immer wieder lese wird gerne mit dem Satz „wir stehen auf den Schultern von Giganten“ verbrämt.

Sicher ist: alle zivilisatorischen Errungenschaften bauen auf den Errungenschaften der vorangegangenen Generationen auf, es gibt wenige Leuchttürme, die für sich alleine so weit aus der Masse ragen, wie es vielleicht ein Einstein tat. Von gemeinsam genutzter Information profitieren wir alle. Dies gilt ganz besonders für technische Innovation, die in immer schnelleren Zyklen neue Generationen hervorbringt.

Die Forderung, die die Piraten daraus abzuleiten scheinen ist allerdings abstrus: Musik und andere Werke mögen für nicht-kommerzielle Mashups generell frei sein. Auch dieses Ansinnen riecht nach staatlichem Eingriff in die Eigentums- und Selbstbestimmungsrechte der Urheber. Wenn in Diskussionen dann darauf hingewiesen wird, daß es nach heutigem Recht ja lediglich der Nachfrage bei dem Schöpfer bedarf, der dann ggf. der Verwendung zustimmen kann, kommen meist Argumente, die darauf schließen lassen, daß es sich hierbei möglicherweise um den Wunsch handelt, „orphaned works“ nutzbar zu machen, als0 verwaiste Werke, deren Urheber nicht (mehr) mit vernünftigem Aufwand auszumachen ist. Dem spricht, in Grenzen, nichts entgegen, einer allgemeinen Enteignung der Schöpfer allerdings kann ich nicht zustimmen.

Die, durchaus sinnvolle, Diskussion über (Software) Patente fand in diesem Zusammenhang leider nicht statt.

Ich habe die Diskussion mit den Piraten gesucht, da ich ihnen durchaus zugetan bin. Ich stamme aus der gleichen geistigen Generation (auch wenn ich vermutlich 10-20 Jahre älter bin als die meisten), ich lebe und arbeite im Open Source Umfeld und will dies auch nicht mehr missen. Seit den Anfängen habe ich mich für ein freies Internet ohne Sperren, Filter, Überwachung und Zensur eingesetzt, weil ich der Meinung bin, daß dies ein großartiger Weg in eine neue Gesellschaft sein kann.

Das Ergebnis der Diskussion ist leider, aus meiner Sicht, daß die Piraten noch weit von einer sinnvollen Position selbst in diesem Kernthema entfernt sind. Die eingeschränkte Sicht, die offenbar stark von der Ablehnung der Major Labels und deren Abmahngeschäft getrieben ist, die Forderung nach einem geschwächten Urheberrecht (obwohl ja immer von „gestärkt“ die Rede ist) und die Form der Diskussion lässt das Gefühl einer gewissen Realitätsferne aufkommen.

Schade drum.

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